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| Normannen |
NormannenNormannen sind im heutigen französischen Sprachgebrauch (normands) die Bewohner der Normandie. Tatsächlich ist die Normandie nach den „Nordmännern“ benannt, einer Gruppe von Wikingern, die, aus Skandinavien kommend, in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts kriegerisch in Nordfrankreich eindrangen und schließlich unter Herzog Rollo im Jahr 911 durch den Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte das untere Seine-Becken von Karl III. von Frankreich als Lehen empfingen.
Lehen
Die Normannen nahmen die französische Sprache an und entwickelten eine eigenständige kulturelle Identität, die sie sowohl von ihren skandinavischen Vorfahren als auch von ihren frankogallischen Nachbarn unterschied.
Einzelne Normannengruppen dehnten mit dem beginnenden 11. Jahrhundert ihre Streifzüge bis in den Mittelmeer-Raum aus und setzten sich um Aversa und Capua fest. Schließlich gelangten sie in beinahe ganz Süditalien und Sizilien, das sie von den Sarazenen eroberten, an die Herrschaft (siehe auch: Apulien, vor allem Geschichte 1000 - 1050).
Im Jahr 1066 eroberte der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer England. Das Nebeneinander von normannischem, französischsprachigem Adel und einheimischer, altenglischsprachiger Bevölkerung hat die englische Sprache bis auf den heutigen Tag entscheidend geprägt.
In mittelalterlichen Chroniken werden die Bezeichnungen Normanne und Nordmanni oft als Synonyme für Wikinger oder Skandinavier verwendet.
Literatur
- Heath, Ian et al.: Wikinger und Normannen. Siegler, 2003. - ISBN 3-87748-630-4
- Rowley, Trevor: Die Normannen. Essen: Magnus, 2002. - ISBN 3-88400-017-9
Siehe auch
- Al-Madjus
- Theelacht
Kategorie:Europäische Ethnie
Kategorie:Germanischer Stamm
ja:ノルマン人
Normandie
Die Normandie ist eine Region im Norden Frankreichs. Zur Normandie gehören das untere Seinegebiet (Haute-Normandie) nördlich von Paris, das Land in Richtung Westen (Basse-Normandie) sowie die Halbinsel Cotentin. Zur Haute-Normandie gehören die französischen Départements von Seine-Maritime und Eure, Basse-Normandie besteht aus den Départements Orne, Calvados und Manche. Historisch war die Normandie schon immer eine französische Provinz.
Eine besondere touristische Attraktion ist der sagenumwobene Mont Saint Michel.
In der Normandie leben 3,2 Million Menschen. Die größten Städte sind Rouen (385.000 Einwohner einschließlich Vororten), Le Havre (247.000 Einwohner), Caen (200.000 Einwohner) und Cherbourg (89.000 Einwohner). Früher war Rouen die Hauptstadt der ganzen Provinz, heute ist sie noch Hauptstadt der Haute-Normandie; die Hauptstadt der Basse-Normandie ist Caen.
Die Normandie war im Mittelalter die Heimat der Normannen, des Volksstammes, der England zum letzten Mal erfolgreich eroberte. Die Normannen entstanden aus den frühen französischen Einwohnern und den Wikingern unter ihrem Führer Herzog Rollo der Normandie (Gånge Rolf), der das Gebiet der Seine um Paris verwüstete und daraufhin die Normandie im Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte vom westfränkischen König Karl dem Einfältigen als Lehen zugesprochen bekam (911). Dafür sollte er die Normandie gegen weitere Überfälle der Wikinger verteidigen.
Rollos Nachkomme Wilhelm der Eroberer, Herzog der Normandie, drang 1066 in England ein und wurde dort König. Die Normandie war bis 1087, von 1106-1144 und von 1154-1204 ein Teil Englands. Während des Hundertjährigen Krieges (1337 - 1453) war sie von 1346-1360 und nochmal von 1415-1450 von englischen Truppen besetzt.
Während des Zweiten Weltkriegs war auch die Normandie von der deutschen Wehrmacht besetzt und wurde bei der Invasion Frankreichs durch amerikanische und britische Truppen befreit. Diese Schlacht, auch bekannt als Operation Overlord, begann am D-Day, dem 6. Juni 1944 mit 6.400 Landungsfahrzeugen. Caen litt sehr unter den Kämpfen um die Provinz, die bis zur Befreiung von Le Havre am 12. September andauerten.
Herzöge der Normandie
- 911-927 : Rollo, Graf von Rouen, Jarl der Normannen
- 927-942 : Wilhelm I. Langschwert (Guillaume Longue Épée), Graf von Rouen, Jarl der Normannen († 942).
- 943-996 : Richard I., Graf von Rouen, Jarl der Normannen, nimmt den Titel eines Herzogs der Normandie an († 996).
- 996-1026 : Richard II., Herzog der Normandie († 1026).
- 1026 - 1027 : Richard III., Herzog der Normandie († 1027).
- 1027-1035 : Robert I. der Prächtige (le Magnifique), Herzog der Normandie († 1035).
- 1035-1087 : Wilhelm II. der Eroberer (William the Conquerer, Guillaume le Conquérant), Herzog der Normandie, König Wilhelm I. von England
- 1087-1106 : Robert II. Courteouse, Herzog der Normandie.
- 1106-1135 : Heinrich I. Beauclerc, Herzog der Normandie, König von England
- 1135-1144 : Stephan von Blois (Étienne), Graf von Boulogne und Mortain, König von England
- 1144-1150 : Gottfried Plantagenet, Graf von Anjou und Maine, Herzog der Normandie, Sohn von Fulko V. und Schwiegersohn von Heinrich I.
- 1150-1153 : Heinrich II., Graf von Anjou und Maine, König von England
- 1153-1156 : Wilhelm († 1156), Heinrichs Sohn
- 1156-1189 : Heinrich II., zweites Mal
- 1189-1199 : Richard I. Löwenherz (Lionheart, Cœur-de-Lion), König von England, Graf von Anjou und Maine, Herzog von Aquitanien.
- 1199-1204 : Johann (John Lackland, Jean Sans Terre), König von England
1204 eroberte Frankreich den kontinentalen Teil der Normandie zurück. Die vier normannischen Inseln blieben unter der Herrschaft der Könige von England bis heute. Unter den Valois wurde das Herzogtum Normandie mehrmals dem Thronerben oder einem der Söhne des Königs zugesprochen.
- 1332-1350 : Johann II., Herzog der Normandie, ältester Sohn von Philipp VI., als Johann II. 1350 König von Frankreich
- 1355-1364 : Karl I., Herzog der Normandie, Sohn des vorigen, Dauphin von Viennois 1349, König von Frankreich 1364;
Zwischen 1418 und 1450 war die Normandie tatsächlich in der Hand der englischen Könige Heinrich V. und Heinrich VI.
- 1465-1469 : Karl II., Herzog von Berry und der Normandie. Sein Bruder, König Ludwig XI., tauschte dieses Herzogtum 1459 gegen Guyenne; er war der letzte tatsächliche Herzog.
- 1785-1789 : Ludwig I., Titularherzog der Normandie, jüngerer Sohn des Königs Ludwig XVI..
Siehe auch
Kategorie:Historisches Territorium
Kategorie:Region
Kategorie:Geographie (Frankreich)
Kategorie:Wikingerzeit
ja:ノルマンディー
Skandinavien
Skandinavien ist ein Begriff für eine geographische Region. Es umfasst, Dänemark, Norwegen und Schweden, die sich durch ähnliche Sprachen von den benachbarten, durch die Geschichte verbundenen heutigen Staaten Nordeuropas unterscheiden, mit Ausnahme von Island und den Färöern. Deren Sprachen (Isländisch als Landes- wie Amtssprache, Färöisch als Landessprache, aber nicht als Amtssprache) werden ebenfalls zu den skandinavischen Sprachen gezählt.
Die Nordischen Länder umfassen darüberhinaus Finnland, Island, Grönland und die Färöer. In diesen Ländern wird neben den anderen Sprachen auch Schwedisch bzw. Dänisch (Schwedisch in Finnland als zweite Landes- wie Amtssprache und Dänisch in Grönland und auf Färöern als Amtssprache) gesprochen. Alle Nordischen Länder sind Mitglieder des Nordischen Rats.
Manchmal wird im deutschen Sprachgebrauch auch Finnland zu Skandinavien gezählt. Skandinavien und Finnland werden allerdings korrekterweise unter dem Begriff Fennoskandinavien zusammengefasst.
Finnland bildete jahrhundertelang die Osthälfte Schwedens (lat. Ostrobothnia, schwed. Österbotten). Auch gibt es in Finnland eine trotz kleinem Bevölkerungsanteil politisch nicht unbedeutende schwedische Minderheit, und Schwedisch (Finnlandschwedisch) ist zweite Landessprache in Finnland. Die finnische Sprache unterscheidet sich allerdings sehr vom Schwedischen und zählt nicht zu den germanischen, noch nicht einmal zu den indogermanischen Sprachen, sondern zur Familie der finnougrischen Sprachen, zu der auch Ungarisch zählt. Aufgrund der langen gemeinsamen Geschichte hören es manche Finnen nicht gerne, mit den Schweden begrifflich subsumiert zu werden. Genauso wenig wie manche Schweden mit Finnland in Verbindung gebracht werden wollen.
Im Norden Schleswig-Holsteins (Südschleswig) lebt zudem eine dänische Minderheit.
Zusammen mit den britischen Inseln, dem Baltikum und dem Nordwesten Russlands bilden die nordischen Länder Nordeuropa. Skandinavien war in der Antike als Scandza bekannt.
Bekannt für die skandinavischen Länder sind die Kreuzflaggen, die jeder heutige offizielle Staat Skandinaviens hat.
Der Begriff Skandinavien kommt von der latinisierten Form des altschwedischen Begriffes Skathinawjö. Hierbei bedeutet Skathin- "Gefahr" oder "Schaden" und -awjö "Insel" oder "Halbinsel". Der Name Skandinavien bedeutet also etwa die gefährliche Halbinsel, was sich wahrscheinlich auf gefährliche Meeresströme um die schonische Halbinsel bezieht. Der Begriff Skandinavien ist etymologisch verwandt mit Schonen, und Skanör. Andere sehen den Wortursprung bei der germanischen Göttin Skadi.
Weblinks
- [http://www.lysator.liu.se/nordic/ Nordic FAQ] (engl.)
- [http://www.norden.org/ Nordic Council] (engl.)
Kategorie:Europa
als:Skandinavien
ja:スカンディナヴィア
ko:스칸디나비아
simple:Scandinavia
zh-min-nan:Skandinavia
9. Jahrhundert
Das 9. Jahrhundert begann am 1. Januar 801 und endete am 31. Dezember 900.
In Europa ist es die Epoche des Frühmittelalters.
Zeitalter/Epoche
Ereignisse/Entwicklungen
- Besiedlung der Färöer durch Spelleraner
- Beginn des historischen Khmer-Reiches in Angkor (Kambodscha) durch Vereinigung zuvor eigenständiger Königreiche
- In Japan beginnt 858 die Herrschaft der Familie Fujiwara die das Kaiserhaus kontrolliert und somit zur tatsächlichen Regierung wird.
- Durch den Bau der Hammaburg wird die Stadt Hamburg begründet.
- Nach 884: Gründung der Theelacht zu Norden (Niedersachsen) - die wohl älteste und heute noch blühende Genossenschaft
- Die Wikinger fallen in der zweiten Hälfte des 9.Jh in Frankreich ein
- Einweihung des ersten buddhistischen Klosters Samye in Tibet durch den tantrischen Meister Padmasambhava im Jahr 814
Persönlichkeiten
- Karl der Große, fränkischer Kaiser
- Photius der Große, byzantinischer Patriarch
- Nikolaus I., römisch-katholischer Papst
Erfindungen und Entdeckungen
- Entdeckung Islands durch Gardar Svavarsson (um 875)
- Erste Windmühle um 900
01-09
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ja:9世紀
ko:9세기
911
Politik und Weltgeschehen
- Papst Anastasius III. wird Nachfolger von Sergius III..
- Durch zahlreiche Angriffe in Nordfrankreich erhält der Normanne Rollo von Karl dem Einfältigen die Seinemündung (Normandie) als Lehen.
- Konrad der Jüngere, Herzog von Franken, wird in Forchheim zum König des Ostfrankenreichs gewählt. (Gilt manchmal als Gründungsdatum des Heiligen Römischen Reiches)
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- 14. April - Sergius III. ( - ?)
- 23. November - Burchard I. (Schwaben) ( - um 860), Herzog von Schwaben, Markgraf in Rätien
- 24. November - Ludwig das Kind ( - 893)
Besonderheiten
- Ende der Zeitspanne des Erfundenen Mittelalters
ko:911년
Vertrag von Saint-Clair-sur-EpteDer Vertrag von Saint-Clair-sur-Epte wurde am 11. Juli 911 zwischen dem französischen König Karl III. und Rollo, dem Jarl der Normannen, geschlossen. Dieser Vertrag, der schriftlich nicht erhalten ist, ist die Geburtsakte der Normandie.
Karl III. trat in dieser Vereinbarung - angesichts einer bevorstehenden Landnahme der Normannen in Neustrien - an Rollo das Gebiet zwischen der Epte und der Oise mit Ausnahme des Vexin français ab, also die Grafschaften und Bistümer Rouen, Évreux und Lisieux, was heute der Region Haute-Normandie zuzüglich dem Pays d'Auge entspricht.
Rollo ließ sich taufen, heiratete Gisela, eine uneheliche Tochter Karls, leistete Karl den Treueid, für den er wiederum sein Land als Lehen empfing, und übernahm die Aufgabe, das Land gegen die Übergriffe weiterer Normannen zu verteidigen.
Die geplante Zeremonie führte zu Komplikationen, weil Rollo sich weigerte, vor dem König hinzuknieen und ihm den Fuß zu küssen. Der Kompromiss war, dass einer von Rollos Vertrauten den Fuß des Königs so weit anhob, dass Rollo nicht hinknien musste – und der König das Gleichgewicht verlor und zu Boden stürzte.
Saint Clair
Saint Clair
Saint Clair
Karl III. (Frankreich)Karl III., der Einfältige (le Simple) ( - 17. September 879, † 7. Oktober 929 in Péronne) wurde nach dem Tod seines Vaters König Ludwig II. geboren. Da er ein Kind aus zweiter Ehe war, wurde er von der Thronfolge zunächst ausgeschlossen.
Ludwig II.
Das westfränkische Reich war in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts in zwei große Adelsparteien geteilt. Eine davon erlangte die Oberhand und erhob Odo, den Grafen von Paris zum König. Durch die gewaltige Macht- und Gebietsanhäufung der Familie des Odo in Bedrängnis gebracht, suchte der Adel Odos Stellung zu schwächen.
Deshalb nahm man Kontakt zum ostfränkischen König Arnulf von Kärnten auf und erhob am 28. Januar 893, dem Todestag Karls des Großen, Karl III. zum westfränkischen König. Doch König Arnulf wechselte die Fronten und ließ Karl zu Gunsten Odos 895 fallen.
Erst nach dem Tod Odos 898 konnte Karl seinen Anspruch auf den westfränkischen Thron behaupten, wenngleich er die große Macht der Markgrafen (besonders Robert von Neustrien, Odos Bruder) hinnehmen musste. Tatsächlich erwies sich das, mehr oder weniger, friedliche Miteinander zwischen König und Fürsten als sehr nützlich für das Land. Unter seiner Regierung konnten die Normannen 911 in seinen Einflussraum einbezogen werden.
Dennoch hatte Karl mit einem steigendem Machtverlust zugunsten der Markgrafen zu kämpfen. Es war wohl diese innere Schwächung, die ihn dazu antrieb, nach dem Tod des letzten ostfränkischen Karolingers (Ludwig IV. starb 911) in das alte Stammland seiner Familie Lotharingien einzufallen und es zu erobern. Gestützt auf den lotharingischen Adel konsolidierte er dort seine Herrschaft und sah seinen Anspruch auf die Herrschaft über alle Franken einen Schritt näher. Doch erwies sich Karl als schlechter Diplomat, da er den hohen Adel in Lotharingien zugunsten des Grafen Hagano schwächte und ersteren somit gegen sich aufbrachte, was das Miteinander zwischen Fürsten und König empfindlich störte.
Seit 920 hatte Karl mit einem starken Widerstand des westfränkischen Adels zu kämpfen. Der Kampf gipfelte am 22. Juni 922, da der starke Adel Robert von Neustrien (Bruder von Odo) zum König Robert I. proklamierte. Auch wenn dieser in der Schlacht von Soissons 923 gegen Karl III. fiel, war die karolingische Königsposition sehr geschwächt. Bereits wenige Stunden nach dem Tod Roberts I., war ein Nachfolger für ihn, sein Schwager Rudolf von Burgund, gefunden.
Nach der Krönung Rudolfs 923 geriet Karl in die Gefangenschaft des Grafen Heribert II. von Vermandois, der ihn in Péronne festhielt, wo er am 7. Oktober 929 im Kerker starb. Er wurde dort in der Kirche St. Fursy begraben.
Ehen und Nachkommen
Karl heiratete im April 907, vor dem 19., in erster Ehe Frederuna, Tochter des Grafen Dietrich aus dem Haus der Immedinger und Schwester der Mathilde, die mit dem deutschen König Heinrich I. verheiratet war. Frederuna starb am 10. Februar, 916 oder 917. Das Paar hatte sechs Kinder:
- Ermentrude ( - 908/916), um 934 bezeugt, ∞ Gottfried, Pfalzgraf von Lothringen, Graf im Jülichgau, † 26. März nach 949 (Matfriede)
- Frederuna ( - 908/916)
- Adelheid ( - 908/916)
- Gisla ( - 908/916)
- Rotrud ( - 908/916)
- Hildegard ( - 908/916)
Um das Jahr 919 schloss er seine zweite Ehe mit Ogiva († nach 951), Tochter des König Eduard I. von Wessex, die im Jahr 951 als Äbtissin von Notre-Dame in Laon abgesetzt wurde und in zweiter Ehe den Grafen Heribert der Ältere von Meaux (ebenfalls ein Karolinger) heiratete. Mit ihr hatte Karl einen Sohn, der auch sein Erbe wurde: Ludwig IV. der Überseeische ( - 920/921 † 954) König 936.
Über die ehelichen Kinder hinaus hatte Karl uneheliche Kinder, darunter:
- Arnulf
- Drogo
- Rorico († 20. Dezember 976), 949 Bischof von Laon, begraben in St. Vincent in Laon
- Alpais (∞ Erlebold, Graf im Lommegau 915, X 921)
Literatur
- K. F. Werner, Die Ursprünge Frankreichs bis zum Jahr 1000, 1989, S. 475ff.
Kategorie:Mann
Kategorie:Karolinger
Kategorie:König (Frankreich)
Kategorie:Geboren 879
Kategorie:Gestorben 929
ja:シャルル3世 (西フランク王)
Lehen
Der Begriff Lehnswesen, auch Feudalwesen (Feudalismus) oder Benefizialwesen, bezeichnet das politisch-ökonomische System der Beziehungen zwischen Lehnsherren und belehnten Vasallen. Es bildete die Grundlage der hochmittelalterlichen Gesellschaftsordnung der abendländischen Staaten, vor allem aber des Heiligen Römischen Reichs.
Auch in anderen Kulturen, insbesondere in Japan (siehe Samurai) entstanden Strukturen, die sich mit dem europäischen Lehnswesen vergleichen lassen. Diese sollen hier aber nicht behandelt werden.
Der Begriff feudal wird auch in Bezug auf ausschweifendes bzw. in Reichtum schwelgendes Leben gebraucht. („Er lebt feudal...“)
Im Frühmittelalter bildete sich das Lehnswesen nach dem Vorbild des römischen Klientelwesens und aus dem germanischen Gefolgsschaftswesen. Der Lehnsherr, welcher der rechtliche Eigentümer
von Grund und Boden oder bestimmten Rechten war, verlieh diese dem Lehenempfänger auf Lebenszeit. Dafür musste der Lehenempfänger dem Lehnsherrn persönliche Dienste leisten. Beide verpflichteten sich zu gegenseitiger Treue: Der Lehnsherr zu Schutz und Schirm, der Lehnsempfänger zu Rat und Hilfe.
Oberster Lehensherr war der jeweilige oberste Landesherr, König oder Herzog, der Lehen an seine Fürsten vergab. Diese konnten wiederum Lehen an andere Adelige vergeben, die sich von ihnen belehnen lassen wollten und oft in der Adelshierarchie unter dem Lehensgeber standen.
Begriffe
Adelige
Man versteht unter Lehen (Lehnrecht, lat. Feudum, Feodum, Beneficium) das ausgedehnteste erbliche Nutzungsrecht an einer fremden Sache, welches sich auf eine Verleihung seitens des Eigentümers gründet, die zugleich zwischen diesem und dem Berechtigten das Verhältnis wechselseitiger Treue hervorruft.
Lehen (Lehnsgut) wird auch diese Sache selbst, zumeist ein Grundstück oder ein Komplex von Grundstücken, genannt. Der betreffende Eigentümer ist der Lehnsherr (Lehnsgeber, dominus feudi, senior), der Berechtigte der Vasall (Lehnsmann, vassus, vasallus), beide schwören einen Lehnseid.
Sprachlich hängt der Ausdruck "Lehen" mit "leihen" zusammen, bedeutet also so viel wie geliehenes Gut, während das Wort "Feudum" nach einigen vom lat. fides (Treue), richtiger aber wohl vom altdeutschen feo (das heißt Vieh, dann überhaupt "Gut") abzuleiten ist.
Den Gegensatz zum Lehen bildet das freie Eigentum, Allodium.
Die dem Vasallen zustehende Berechtigung nähert sich tatsächlich dem Eigentum so sehr, dass man dieselbe oft als nutzbares Eigentum (dominium utile) und das Recht des eigentlichen Eigentümers als Obereigentum (dominium directum) bezeichnet.
Die Rechtsgrundsätze über das Lehnswesen bilden das Lehnrecht im objektiven Sinn.
Geschichte des Lehnswesens
Entstehung
Im Lehen kamen verschiedene Rechtsinstitute karolingischer Zeit zusammen, die seither unabhängig voneinander bestanden. Diese Institutionen waren
- Die Antrustiones - das war das engere Gefolge des Königs, sie zeichneten sich dadurch aus, dass für sie ein Vielfaches des üblichen Wergeldes gezahlt werden musste.
- Die vassi - Freie, die nicht mehr selbst für sich sorgen konnten, konnten sich in die Hand eines Mächtigeren kommendieren, erhielten dafür Schutz und Unterhalt und waren im Gegenzug zu Treue und Dienst verpflichtet. Ihren Status als Freie verloren sie durch die Kommendation nicht, das Königsgericht war weiter für sie zuständig. Die Kommendation geschah durch den sogenannten Handgang, das heißt, der künftige vassus legte seine gefalteten Hände in die seines Herrn, die dieser umschloss. Diese Geste macht das Verhältnis der beiden sehr deutlich.
- Das beneficium - schon im frühen Mittelalter wurde Land verpachtet, es kam aber auch vor, dass man Land ohne Gegenleistung verlieh, etwa unter Zwang oder um jemanden einen Gefallen zu tun. Man blieb dann zwar Eigentümer des Landes, war aber nicht mehr sein Nutznießer.
Erst aus der Verbindung dieser Institutionen und insbesondere als sich immer mehr Herren mit hoher sozialer Stellung kommendierten, entstand das Lehenswesen.
Dabei blieb der Handgang, der zusammen mit dem Treueid später als „homagium“ (lat.), „hommage“ (franz.), oder „mannschaft“ (dt.), bezeichnet wurde, bis ins 12. Jahrhundert der entscheidende rechtliche Akt. Erst mit der Verbreitung des Urkundenwesens wurde der Handgang vom Treueid, der sich viel besser schriftlich fixieren lässt, abgelöst.
Kommendationen kamen weiterhin in allen Schichten vor. In niederen Schichten entstand daraus die Grundherrschaft, in hohen Schichten das Lehenswesen.
Die Vergabe von Lehen ersetzte oft auch den Arbeitslohn. Das war nötig, weil das Geldwesen im frühen Mittelalter für regelmäßige Zahlungen zu unterentwickelt war.
Entwicklung
Da die Dienste des Lehnsmannes insbesondere Kriegsdienste umfassten, wurde das Lehnswesen in der fränkischen Monarchie Jahrhunderte lang die Grundlage der Heerverfassung und der sozialen Organisation des Heiligen Römischen Reiches. (siehe Personenverbandsstaat)
Dabei nahm nicht nur der König Vasallen auf, sondern dieses Verfahren wurde bald von weltlichen und geistlichen Großen nachgeahmt. Nach und nach bildete sich dann der Grundsatz der Erblichkeit der Lehen und der Zulässigkeit des Weitervergebens in Afterlehen aus. Letztere wurden 1037 von Konrad II. ebenfalls für erblich erklärt. So kam es, dass im 12. Jahrhundert bereits alle Herzogtümer und Grafschaften als Lehen vergeben waren.
Innerhalb dieser einzelnen geistlichen und weltlichen Territorien bestand aber wiederum ein vielgliedriges Lehnswesen.
Mit dem Sinken der kaiserlichen Macht entwickelte sich dann aus dem Lehnswesens die Landeshoheit der Reichsfürsten, so dass die schließliche Auflösung des Deutschen Reichs seine Wurzel zum Teil im mittelalterlichen Lehnswesen hat.
Übrigens blieb das Lehnswesen keineswegs auf das Gebiet des öffentlichen Rechts beschränkt, sondern zog in Deutschland auch in die Privatrechtsverhältnisse ein, indem die verschiedenartigsten Gegenstände "ins Lehen gereicht" und die verschiedenartigsten Berechtigungen als lehnrechtliche konstituiert wurden.
In England wurde schon durch die Revolution von 1649 und dann durch eine ausdrückliche Verordnung Karls II. von 1660 der Lehnsverband beseitigt, ebenso in Frankreich durch die Beschlüsse der Nationalversammlung vom 4. und 5. August 1789.
In Deutschland wurden mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reichs 1806 die vorhandenen Reichslehen teilweise allodifiziert, indem deren Inhaber souveräne Fürsten wurden. Bei anderen Reichslehen dagegen trat an die Stelle von Kaiser und Reich derjenige Landesherr als Lehnsherr, in dessen Gebiet das Lehnsgut gelegen war, indem die Lehnsträger mediatisiert wurden. Zudem entsagten in der Rheinbundsakte, Artikel 34 (der so genannte Verzichtsartikel), die verbündeten Fürsten gegenseitig allen Lehnrechten, welche dem einen bezüglich des Gebiets des anderen zustehen möchten. Innerhalb der einzelnen Territorien wurde in der Folge der Lehnsverband vielfach für ablösbar erklärt und so die Möglichkeit der Umwandlung des Lehens in volles Eigentum gegeben, so zuerst 1836 in Hannover. Darüber hinaus wurde die Errichtung neuer Lehen gesetzlich untersagt, zum Beispiel in Preußen durch das Gesetz von 1852, wie denn auch die deutschen Grundrechte von 1848 bestimmt hatten: "Aller Lehnsverband ist aufzuheben".
Auflösungserscheinungen
Ursprünglich war eine Lehensbindung ein lebenslanges Treueverhältnis, das nur der Tod beenden konnte. Es war auch unvorstellbar, dass man mehreren Herren Lehnsdienst leistete. Mehrfache Vasallität entstand aber sehr rasch und lockerte die Treuepflicht des Lehnsmanns erheblich. Auch die Möglichkeit, ein Lehen zu vererben, minderte die Eingriffsmöglichkeiten des Lehnsherrn und lockerte die persönliche Treuepflicht des Lehensmanns. Mit der Zeit nahm die Bedeutung des Lehnsgutes immer mehr zu, während die Treuepflicht immer mehr in den Hintergrund trat, und am Ende war ein Lehen einfach ein Landgut, für das der Erbe eine bestimmte Zeremonie durchführen musste.
Wesentliche Grundsätze des Lehnrechts im Heiligen Römischen Reich
Im Allgemeinen wurde der Lehnsmann als Gegenleistung für seine Dienste mit Land oder Freihäusern ausgestattet. Es kam auch vor, dass er am Hof des Herrn Dienste versah und dort verpflegt wurde. Meist erhielten diese sogenannten servi non cassati aber ein Lehen, sobald eines frei wurde.
Aber auch Ämter und Hoheitsrechte über ein bestimmtes Territorium (feuda regalia) konnten als Lehen vergeben werden. Auf diese Weise kam das Haus Thurn und Taxis an sein Postlehen.
Dazu kommen dann zahlreiche Lehen an Kirchensachen und kirchlichen Rechten, Kirchenlehen (Stiftslehen, feuda ecclesiastica) und Beleihungen mit den mit einem Altar verbundenen Stiftungen (feudum altaragli).
Auch Barzahlungen aus dem Kronschatz oder Gewinne aus bestimmten Zöllen konnten als Lehen vergeben werden.
Begründung des Lehens
Die Begründung eines Lehens geschah der Regel nach durch Investitur (constitutio feudi, infeudatio). In fränkischer Zeit geschah das durch den sogenannten Handgang im Mittelpunkt, d. h. der Lehnsmann legte seine gefalteten Hände in die Hände des Lehnsherrn, die dieser umschloss. Damit begab er sich symbolisch in den Schutz seines neuen Herrn. Seit Ende des 9. Jahrhundert wird dieser Akt durch einen Treueid ergänzt, bei dem meist eine Reliquie geleistet wurde. Der Eid sollte nicht nur die Bindung der Partner herstellen, sondern betonte, dass der Lehnsmann seinen Status als Freier nicht verlor, denn nur Freie konnten sich durch Eid binden.
Im 11. Jahrhundert gehörten zur Investitur das homagium (homage oder mannschaft) aus dem Handgang und einer Willenserklärung des Lehnsmanns. Eine Willenserklärung des Herrn konnte ebenfalls erfolgen, unterblieb aber oft. Anschließend folgte der Treueid und manchmal ein Kuss. Weil im Mittelalter zu einem Rechtsakt auch ein sichtbares Zeichen gehört, wurde symbolisch ein Gegenstand übergeben, dies konnte ein Stab oder eine Fahne sein, der König konnte auch sein Szepter überreichen (das er nach der Zeremonie natürlich zurück erhielt). Mit zunehmender Schriftlichkeit wurde über die Beleihung auch eine Urkunde ausgestellt, die mit der Zeit immer detaillierter die Güter auflistete, die der Lehnsmann erhielt.
Im Spätmittelalter wurde für die Belehnung eine Gebühr verlangt, die man häufig auf den Jahresertrag des Lehensgutes festsetzte.
Das Lehnsgut (Benefizium) das der Lehnsmann erhielt, konnte Eigenbesitz des Lehnsherrn sein, oder das Lehen eines anderen Herrn. Manchmal verkaufte oder schenkte auch der Lehnsmann seinen Besitz dem Herrn und empfing es dann als Lehen zurück (oblatio feudi). Meist geschah dies in der Hoffnung, der Herr könnte das Land besser bei einem Streit im Felde oder vor Gericht verteidigen. Dieser kaufte oder nahm das Geschenk an, weil er damit die Absicht oder Hoffnung verband, z.B. bisher unverbundene Lehnsgüter zu verbinden und dadurch seinen Einflussbereich z.B. auf die Gerichtsbarkeit oder die Besetzung von Pfarrerstellen zu mehren.
Rechtsbeziehung zwischen Lehnsherren und Vasallen
Seit dem 11. Jahrhundert wurden die Pflichten des Vasallen meist mit auxilium et consilium (Hilfe und Rat) beschrieben. Dabei bezieht sich Hilfe meist auf den Kriegsdienst, den der Vasall zu leisten hatte. Diese konnte unbeschränkt sein, d. h. der Vasall musste den Herrn in jedem Krieg unterstützen, oder er wurde zeitlich, räumlich und nach der Menge der ausgehobenen Soldaten beschränkt. Mit dem Aufkommen der Söldnerheere wurde das Aufgebot der Vasallen weniger wichtig und ihr Dienst wurde immer häufiger in Dienste bei Hof und in der Verwaltung umgewandelt. Consilium bedeutete vor allem die Pflicht, zu Hoftagen zu erscheinen
Insbesondere in England wurden die Kriegsleistungen in Geldleistungen verwandelt ("adäriert") und der englische König verwandte das Geld zur Finanzierung von Söldnern.
Auch zu Geldzahlungen konnte der Vasall verpflichtet sein, und zwar insbesondere um ein Lösegeld für den Kriegsgefangenen Herrn zu zahlen, beim Ritterschlag des ältesten Sohnes, für die Mitgift der ältesten Tochter und für die Fahrt ins Heilige Land.
Die Pflichten des Herren waren dagegen weniger genau umschrieben, sie waren mit der Übergabe des Lehens weitgehend abgeleistet, aber natürlich war auch der Herr zu Treue verpflichtet und musste seinen Vasallen darüber hinaus auch vor Gericht vertreten.
Der Lehnsherr konnte ferner von dem Vasallen bei Verlust des Lehens die Lehnserneuerung (renovatio investiturae) fordern und zwar sowohl bei Veränderungen in der Person des Lehnsherrn (Veränderungen in der herrschenden Hand, Herrenfall, Hauptfall, Thronfall) als auch bei Veränderungen in der Person des Vasallen (Veränderung in der dienenden Hand, Lehnsfall, Vasallenfall, Nebenfall). Letzterer musste binnen Jahr und Tag (1 Jahr 6 Wochen 3 Tage) ein schriftliches Gesuch (Lehnsmutung) einreichen und um Erneuerung der Investitur bitten; doch konnte diese Frist auf Nachsuchen durch Verfügung des Lehnsherrn (Lehnsindult) verlängert werden.
Partikularrechtlich war der Vasall dabei, abgesehen von den Gebühren für die Wiederbelebung (Schreibschilling, Lehnstaxe), zuweilen auch zur Zahlung einer besondern Abgabe (Laudemium, Lehnsgeld, Lehnsware, Handlohn) verpflichtet. Endlich konnte der Lehnsherr bei einer Felonie des Vasallen das Lehen durch die so genannte Privationsklage einziehen, Verschlechterungen des Gutes nötigenfalls durch gerichtliche Maßregeln verhüten und dritten unberechtigten Besitzern gegenüber das Eigentumsrecht jederzeit geltend machen.
Der Vasall hatte dem Lehnsherrn gegenüber ebenfalls den Anspruch auf Treue (Lehnsprotektion), und ein Bruch derselben zog für den Lehnsherrn den Verlust seines Obereigentums nach sich. Am Lehnsobjekt hatte der Vasall das nutzbare Eigentum.
Ökonomische Bewertung
Mit dem Lehnswesen ist eine weitgehende Monopolisierung des Landbesitzes und der Produktion verbunden. Das ökonomische Gewicht der Allodien nimmt bis zum Ende des Mittelalters tendenziell ab. Damit einher geht eine weitgehend ungehemmte und unproduktiv machende Ausbeutung der Bauern - sowohl der leibeigenen wie der freien, die in Form sowohl von Frondiensten wie Geld und Naturalabgaben den Lehnsherren bereichern und dem Bauern kaum das Lebensminimum übrig lassen. Das Erwirtschaften von Überschüssen, mit denen neue Investitionen vorgenommen werden könnten, ist der Bauernklasse deshalb praktisch unmöglich.
Die Aristokratie und der geistliche Stand ihrerseits sind nicht genug an der Erwirtschaftung von Überschüssen (z.B. zur Vorratshaltung und zur Produktivitätssteigerung) und an Investitionen und Innovationen interessiert, sondern suchen sich zunehmend in Luxusausgaben für Wohnung, Kleidung, Nahrung, Festen und Waffen gegenseitig zu überbieten, um mit Ansehen auch Macht zu verbinden. Verachtung der Arbeit und häufig fehlendes technisches und ökonomisches Verständnis lassen Produkte des Wirtschaftslebens aus Sicht des Adels nur als Beute erscheinen. Sein Betätigungsfeld, Jagd und Kriegsführung, verursachen zudem erhebliche, nicht zuletzt auch wirtschaftliche Zerstörungen. Bewirken die Hetzjagden nicht selten beträchtliche Ernteverluste, nicht zuletzt weil Bauern die Treiber zu stellen hatten, die damit ihre Tätigkeiten auf Äckern und in Ställen vernachlässigen müssen, aber das Wild auf ihren Äckern nicht töten dürfen, so beruht die Kriegführung des Mittelalters zu einem erheblichen Maße auf der planmäßigen Vernichtung der wirtschaftlichen und sozialen Macht des Gegners durch Vergiftung von Brunnen, Brand und Vernichtung der Ernten, Bauwerke und Dörfer. Auch der Klerus, der die "vita activa" lehrt, ohne sie selbst zu praktizieren, verachtet dennoch das tätige Leben der Bauern und imitiert mit seiner Sammlung von Pfründen, seiner Prachtentfaltung in Bauten, Festlichkeiten, Textilien, Gold- und Silbergegenständen seinerseits das Leben des Adels. Auch die Klöster, die sich mit Chroniken, Hagiographien und Bibliotheken beschäftigen, bringen dem "opus aedificiale", dem Bau und der Ausschmückung von Kirchen und Klöstern mehr Interesse entgegen als dem "ora et labora". Handwerker und Künstler finden durch die Bauaktivitäten in der Gotik und die Kunstsammlungen des Klerus zwar Arbeit, die jedoch aus wirtschaftlicher Sicht keine produktiven Investitionen darstellen.
Zusammenfassend beruht das Lehnswesen im Wesentlichen auf zwei Komponenten, dem persönlichen und dem dinglichen Element.
Persönliches Element:
Der Lehnsherr sowie Vasall verpflichten sich zu gegenseitiger Treue. Sichtbarer Ausdruck der Ergebenheitshandlung ist das Einlegen der Hände in die des Herrn (Handgang -vergleichbar mit dem heutigen Handschlag).
Dingliches Element:
Auf der Basis dieses Treuegelöbnisses zwischen denselben stellt der Lehnsherr dem Vasallen Land zur Verfügung und erhält vom Vasallen Abgaben.
Ortsnamen
Die frühere Bedeutung des Lehnswesens spiegelt sich heute noch in einer Vielzahl von Ortsnamen, die das Lehen in sich tragen.
Literatur
- Marc Bloch: Die Feudalgesellschaft. Durchgesehene Neuausgabe. Klett-Cotta, Stuttgart 1999, ISBN 3-608-91234-7
Weblinks
- [http://netzwerk.wisis.de/text/372.htm Lexikon Lehnswesen, Besitz und Herrschaft ° SUSAS Netzwerk für Wissensweitergabe]
Kategorie:Verwaltung
Kategorie:Rechtsgeschichte
Kategorie:Mittelalter
Französische Sprache
Die französische Sprache (Französisch) gehört zur
romanischen Gruppe der indogermanischen Sprachen. Sie wird gegenwärtig von ca. 77 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Zählt man Zweitsprachler hinzu, kommt man auf ca. 130 Millionen Sprecher
(Stand für beide Zahlen 1999).
Der Language Code ist fr bzw. fra oder
fre (nach ISO 639); für Altfranzösisch (842 bis
ca. 1400) ist der Code fro und für Mittelfranzösisch
(ca. 1400 bis 1600) ist der code frm.
Geschichte der französischen Sprache
Die französische Sprache entwickelte sich nach dem Zerfall des Römischen Reiches aus dem Vulgärlatein der gallo-römischen Bevölkerung in der Nordhälfte des heutigen Frankreichs. Allerdings färbte die keltische Bevölkerung die neu entstehende Volkssprache vorwiegend im Klangbild. Einen stärkeren Einfluss übten die Germanen, insbesondere die Franken, aus. Sie eroberten das Gebiet in der Spätantike und prägten den französischen Wortschatz entscheidend mit. Dabei bildeten sich verschiedene Dialekte heraus, die als Langues d'oïl zusammengefasst werden. Die ersten Dokumente, die der französischen Sprache zugeordnet werden, sind die Straßburger Eide, die 842 sowohl auf Altfranzösisch als auch auf Althochdeutsch verfasst wurden.
Unter den Kapetingern kristallisiert sich Paris allmählich als politisches Zentrum Frankreichs heraus, wodurch der dortige Dialekt, das Franzische, zur Hochsprache reift. Aufgrund der zunehmend zentralistischen Politik werden die anderen Dialekte stark zurückgedrängt.
Nachdem 1066 Wilhelm der Eroberer den englischen Thron besteigt, wird das normannische Französisch für zwei Jahrhunderte die Sprache des englischen Adels. In dieser Zeit wurde die englische Sprache sehr stark vom Französischen beeinflusst.
Mit den Albigenserkreuzzügen erreicht Frankreich seine heutige Ausdehnung. Dabei werden die Langues d'oc (siehe unten) zugedrängt und unterdrückt.
Durch den Edikt von Villers-Cotterêts wird 1539 die Französische Sprache als Landessprache Frankreichs festgelegt.
Im Jahre 1634 gründete Kardinal Richelieu die Académie Française, die sich mit der "Vereinheitlichung und Pflege der französischen Sprache" beschäftigt.
Ab dem 17. Jahrhundert wird Französisch die lingua franca des europäischen Adels, zunächst in Mitteleuropa, im 18. und 19. Jahrhundert auch in Osteuropa (Polen, Russland, Rumänien). In dieser Zeit entwickelte sich Frankreich zu einer Kolonialmacht und legte damit den Grundstein für die heutige Verbreitung der französischen Sprache außerhalb Europas und der französischen Kreolsprachen. Das 1830 unabhängig gewordene Belgien erobert ebenfalls Kolonien, wo die französische Sprache eingeführt wird.
Im 18. Jahrhundert übernimmt das Französische als Sprache des Adels die Domäne der internationalen Beziehungen und der Diplomatie (zuvor: Latein). Als Großbritannien im 19. Jahrhundert zur herrschenden Kolonialmacht, und die USA im 20. Jahrhundert zur Weltmacht wurden, ändert sich die Sprachsituation zu Gunsten der englischen Sprache.
Mit der Dezentralisierung in den 1980er Jahren wird den Regionalsprachen sowie den Dialekten in Frankreich mehr Freiraum eingeräumt, wodurch sie eine Renaissance erfahren. 1994 wird in Frankreich das Loi Toubon erlassen, ein Gesetz, das den Schutz der französischen Sprache sichern soll.
Aussprache
Siehe: Aussprache der französischen Sprache
Verbreitung
Amtssprache
Französisch ist allein oder zusammen mit anderen Sprachen Amtssprache in folgenden Staaten (in Klammern die Anzahl der Muttersprachler)
Außerdem ist Französisch eine der Amtssprachen der Europäischen, der Afrikanischen Union, der Organisation Amerikanischer Staaten sowie der Vereinten Nationen.
Sonstige Verwendung
Französisch ist darüber hinaus Verkehrssprache in folgenden Ländern und Regionen:
- Algerien
- Andorra
- Dominica
- Kanalinseln (unter britischer Krone)
- Libanon
- Louisiana (USA)
- Marokko
- Mauretanien
- Tunesien
Zudem bildet Französisch die Grundlage verschiedener Terminologien, z.B. in der gastronomischen Fachsprache und im Ballett.
Sprachvarianten der französischen Sprache
Französisch ist eine indoeuropäische Sprache und gehört zu den galloromanischen Sprachen, die in zwei Gruppen geteilt werden: langues d'oïl im nördlichen Frankreich und Belgien und langues d'oc im Süden Frankreichs. Hierbei ist der Status, was dabei Dialekt und was eigenständige Sprachen ist, umstritten. Meistens spricht man von zwei Sprachen und deren jeweiligen Patois, den französischen Dialekten. Das Französische wird den langues d'oïl zugeordnet und geht auf eine Mundart aus dem Raum Ile de France zurück.
Sie grenzen sich von den langues d'oc ab, die südlich des Flusses Loire verbreitet sind und eine eigene Sprache darstellen. Die Unterscheidung bezieht sich auf die Verwendung des Wortes Ja - Oc im Süden und Oïl im Norden. Zudem ist bei den Langues d'oc, die zusammenfassend auch als Okzitanisch bezeichnet werden, der romanische Charakter stärker ausgeprägt.
Daneben gibt es das Franko-Provenzalische, was mitunter keiner der beiden anderen gallo-romanischen Sprachen zugeordnet wird. Da es allerdings keine Hochsprache entwickelt hat, wird es von manchen als Dialekt der langues d'oc angesehen.
Gallo-romanische Sprachen:
- langues d'oïl (Französisch)
- Gallo, Wallonisch, Picardisch
- Franko-Provenzalisch
- langues d'oc (Okzitanisch)
- Provenzalisch, Languedokisch, Gaskognisch
Aufgrund der internationalen Verbreitung gibt es auch landestypische Eigenheiten der französischen Sprache:
- Belgisches Französisch
- Schweizer Französisch
- Französisch in den USA
- Cajun
- Französisch in Louisiana
- Französisch in Neuengland
- Französisch in Kanada
- Kanadisches oder Quebecer Französisch
- Akadisches Französisch
- Neufundländisches Französisch
- Michif
- Jèrriais
- Französisch geprägte Kreolsprachen
Alle wichtigen Dinge zur Konjugation finden sich unter französische Konjugation
Objekt
Objektpronomen
Welches Objektpronomen ersetzt welches Objekt?
Dieses "de" kann auch ein Teilungsartikel sein.
Welches Objektpronomen steht in welcher Reihenfolge im Satz?
wobei
- [se] für ein eventuelles Reflexivpronomen steht,
Wo stehen die Objektpronomen im Satz?
- Objektpronomen stehen immer vor dem konjugierten Verb.
- Ausnahme bei Infinitivkonstruktionen: Objektpronomen stehen dann vor dem handlungstragenden Infinitiv
Beispiele
Modus Indicatif :
Modus Subjonctif :
Dieses Modus existiert nicht im Deutschen. Er ist mit Konstruktionen mit "que" zu verwenden.
Modus Conditionnel :
Dieses Modus drückt die Bedingung aus.
Außerdem hat die französische Sprache das Modus Impératif, das in Présent und Passé geteilt ist. Diese Teilung gilt auch für die Moden Participe und Infinitif.
Konnektoren
cause (Ursache)
conjonctions:
parce que
puisque,
pour la simple et bonne raison que,
comme,
étant donné que,
du fait que,
attendu que,
considérant que,
vu que,
soit parce que,
sous prétexte que,
ce n'est pas parce que,
car,
en effet,
tellement,
tant,
d'autant plus que,
d'autant moins que,
d'autant mieux que,
surtout que,
à présent que,
maintenant que,
dès l'instant où,
dès lors que,
du moment que
prépositions:
à cause de,
grâce à,
avec,
étant donné,
du fait,
à la lumière de,
attendu que,
eu égard à,
vu,
à la suite de,
par suite de,
sous,
à,
pour,
par,
de,
à force de,
faute de,
par manque de,
à defaut de,
sous prétexte que,
sous couleur de,
sous couvert de
conséquence (Folge)
conjonctions:
si bien que,
de telle manière que,
de telle façon que,
de telle sorte que,
en sorte que,
tel +Nomen +que,
verbe +tellement,
verbe +tant,
si +Adj. +que,
au point que,
tant et si bien que,
tant et tant que,
à telle enseigne que,
pour que,
il s'en faut de ... que,
sans que,
donc,
partant,
par conséquant,
en conséquence,
c'est pourquoi,
voilà pourquoi,
de ce fait,
c'est pour cela que,
alors,
depuis lors,
dès lors,
de cette manière,
ainsi,
aussi,
du coup,
d'où,
de là
but (Ziel)
conjonctions:
pour,
afin de,
pour que,
afin que,
si...c'est pour que,
de manière à,
de façon à,
de manière que,
de façon que,
de sorte que,
de manière à ce que,
de façon à ce que,
de telle manière que,
de telle façon que,
de telle sorte que,
pour ne pas,
afin de ne pas,
de peur de,
de crainte de,
il faut que,
il suffit de
prépositions:
dans le but de,
en vue de,
à dessein de,
histoire de,
question de,
affaire de,
dans/avec l'intention de,
dans la perspective de,
dans le souci de,
avec l'idée de,
dans/avec l'espoir de,
avec l'arrière-pensée de,
dans le seul but de,
à seule fin de,
en vue de,
en perspective de,
dans un souci de
condition (Bedingung)
conjonctions:
à condition que,
à la seule condition que,
à une seule contition, c'est que...,
sous la condition que,
pourvu que,
pour peu que,
si tant est que,
pour autant que,
dans la mesure où
prépositions:
à,
à condition de,
faute de,
à defaut de,
à moins de,
quitte à,
au risque de,
avec,
en das de,
sans,
en l'absence de,
sauf,
sous réserve de
hypothèse (Annahme)
conjonctions:
à supposer que,
en supposant que,
supposé,
une supposition,
en admettant que,
au cas où,
dans le cas où,
pour le cas où,
dans l'hypothèse où,
des fois que,
suivant que,
selon que,
soit que,
...,autrement,
...,sans cela/quoi,
...,faute de quoi,
à moins que
opposition (Gegensatz)
adverbes:
au contraire,
à l'opposé,
inversement,
en revanche,
par contre,
à la place
prépositions:
contrairement à,
au contraire de,
contre,
à l'encontre de,
à/au rebours de,
à l'opposé de,
à l'inverse de,
au détriment de,
face à,
en face de,
à côté de,
auprès de,
au lieu de,
à la place de,
loin de
conjonctions:
et,
alors que,
tandis que,
alors même que,
pendant que,
tandis que,
cependant que,
là où,
autant...autant...,
au lieu que
concession (Einschränkung)
adverbes:
pourtant,
cependant,
nonobstant,
néanmoins,
toutefois,
seulement,
malheureusement,
quand même,
tout de même,
malgré tout
coordonnants:
mais,
or,
et
prépositions:
malgré,
sans,
en dépit de,
au mépris de,
nonobstant,
avec,
pour,
sans,
au risque de,
quitte à
conjonctions:
bien que,
quoique,
sans que,
encore que,
même si,
quand bien même,
tout/pour/si/aussi/quelque +Adj. +que +Subj.,
quoi que ce soit,
quoi qu'il arrive/advienne,
où que,
quel que soit
comparaison (Vergleich)
conjonctions:
comme,
comme pour,
comme quand,
comme lorsque,
aussi +Adj./Adv. +que...,
autant +de +Nominalgruppe +que...,
rien ne...tant que,
ainsi que,
au même titre que,
de même que,
tel que,
tel...,tel...,
autant...,autant...,
plus...que,
rien de plus +Adj...que de +Inf.,
davantage,
meilleur que,
mieux que,
pire que,
pis que,
plutôt que,
à mesure que,
au fur et à mesure que,
tant que,
plus...,plus...,
moins...,moins...,
d'autant plus/moins/mieux...que...
prépositions:
comme,
de,
en
Französische Wendungen im deutschen Sprachgebrauch
- à - je, zu (je), für (je); vor Preisangaben von Waren.
- à bas [a'ba] - "nieder mit".
- a condition - bedingungsweise (Lieferung).
- à deux mains - mit beiden Händen
- à discretion - nach Belieben.
- à fonds perdu - auf Verlustkonto, nichtrückzahlbar.
- à jour - "bis zu dem Tage", auf dem laufenden.
- à la ... - nach Art von ...
- à la bonne heure - ["zur guten Stunde"], sehr gut!, bravo!, ausgezeichnet!
- à la carte [-'kart] - nach der (Speise-)Karte, nach Wahl
- à la mode - nach der Mode, modisch
- à la suite[-'syit] - im Gefolge
- à propos - nebenher bemerkt
- à quatre - zu vieren
- à tout prix - um jeden Preis
- comme il faut - wie es sich gehört
- déjà-vu
- jour-fix
- peut-à-peut
- vis-à-vis
Sprachregulierung
Die Französische Sprache wird reguliert durch:
- Académie française
- Loi Toubon - Gesetz zum Schutz der französischen Sprache
Siehe auch
- Frankophonie
- Sprachen in Frankreich
- Französische Rechtschreibreform
- Französischunterricht
- Argot
- Verlan
- Gérondif
- Gallizismus
Weblinks
- [http://www.academie-francaise.fr/ L'académie française]
- [http://sf.gidoo.de/de/service/rectifications-orthographiques.html Informationen zu den orthografischen Korrekturen (rectifications orthographiques)]
- [http://www.russki-mat.net/frz/Argot.htm Wörterbuch der französischen Umgangssprache]
- [http://www.sprachurlaub.de/service/franzoesisch-lernen.htm Vollständige franzöische Grammatik - sehr anschaulich]
- [http://www.verben.info/ Französische Verben online üben]
-
Kategorie:Indogermanisch
Kategorie:Romanische Sprache
Kategorie:Einzelsprache
Kategorie:Schweizer Sprache
als:Französische Sprache
ja:フランス語
ko:프랑스어
simple:French language
th:ภาษาฝรั่งเศส
zh-min-nan:Hoat-gí
GallierDer Begriff Gallier ist eine übergreifende Bezeichnung für die keltischen Stämme auf dem Territorium Galliens (entspricht in etwa dem heutigen Frankreich).
Nach dem Gallischen Krieg durch Julius Cäsar (58-51 v.Chr.) unterschied man zwischen
- aquitanischen Galliern (Wohl eigentlich keltisierten Iberern) (etwa zwischen den Pyrenäen und der Garonne)
- belgischen Galliern (von der Seine und Marne bis zum Rhein, stark mit Germanen durchsetzt)
und den eigentlichen
- keltische Gallier zwischen Garonne und Seine-Marne.
Mythologie
Ihre Herkunft leiteten die Gallier von einem unbekannten dem römischen Dispater Gott der Fülle und des Totenreichs ab. Weitere Gottheiten waren:
- Taranis und Cernunnos (Himmelsgott)
- Belenus (Lichtgott)
- Grannus (Gott des Feuers und der heißen Quellen)
- Belisama (Beschützerin der Künste)
- Brigantia (Göttin des Sieges)
- Epona (Göttin der Pferde)
- Teutates (Gott des Stammes)
- Esus (Gott der Wege und des Handels)
Die Priester dieser Kulte, die Druiden, beherrschten das geistige Leben der Gallier und lehrten sie, an Cassibodua, die Schlachtkrähe zu glauben sowie an die Matronae, die die Schicksals- und Fruchtbarkeitsgöttinnen, die Matronaes, die meist in Dreigestalt daherkamen. Der Totenkult nahm eine herausragende Stellung ein und die Gallier glaubten an ein Paradies, ein Leben nach dem Tod in einer anderen jenseitigen Welt.
Literatur
- Eydoux: Hommes et Dieux de la Gaule (1961)
Siehe auch
- Gallorömer
- Liste der keltischen Stämme
Kategorie:Europäische Ethnie
Kategorie:Kelten
Sizilien
Sizilien (ital. Sicilia, früher Trinakria) ist die größte Insel im Mittelmeer (ital. Mediterraneo). Sie ist eine autonome Region Italiens und liegt südwestlich vor der „Stiefelspitze“ des italienischen Festlandes. Die Meerenge von etwa 5 km Breite heißt Straße von Messina (ital. Stretto di Messina). Im Mai 1946 erhielt die Insel Autonomiestatus.
Region und große Städte
Sizilien hat eine Fläche von 25.709 km² und 5,1 Millionen Einwohner, womit es etwas dichter besiedelt ist als der Schnitt Italiens. Ab etwa 750 v. Chr. als Teil „Großgriechenlands“ von der Kultur griechischer Siedler geprägt, hatte es auch längere Perioden unter der Herrschaft von Rom, der Goten, von Byzanz, der Araber, der Normannen, der Bourbonen und Spanier. Erst 1860 kam es zur Vereinigung Italiens, die mit Garibaldis Invasion in Sizilien begann.
Die Insel bildet nun mit den ihr vorgelagerten kleineren Inseln die Region Sizilien, deren Hauptstadt Palermo (686.722 Ew.) ist. Weitere wichtige Städte sind Catania (313.110 Ew.), Messina (252.026 Ew.), Syrakus (123.657 Ew.), Gela (72.774 Ew.), Trapani (68.346 Ew.), Caltanissetta (61.438 Ew.), Agrigento (54.619 Ew.), Ragusa (68.956 Ew.), Marsala (50.000 Ew.) und Enna (28.983 Ew.).
Die Insel gliedert sich in die neun Provinzen Agrigento, Caltanissetta, Catania, Enna, Messina, Palermo, Ragusa, Siracusa und Trapani.
Geografie
Vor der Nordküste liegen die äolischen oder liparischen Inseln (Isole Eolie) Lipari, Salina, Vulcano, Stromboli, Panarea, Filicudi und Alicudi, im Nordwesten die Insel Ustica. Die Westspitze wird von den ägadischen Inseln (Isole Egadi) Favignana, Marettimo und Levanzo gesäumt, während sich zwischen der Südküste und der Tunesischen Küste Pantelleria und die pelagischen Inseln (Isole Pelagie) mit Lampedusa, Lampione und Linosa befinden.
Linosa
Der höchste Berg Siziliens ist der Ätna (3.323 m), der größte und aktivste Vulkan Europas. Ein weiterer aktiver Vulkan ist Stromboli auf der gleichnamigen Insel nördlich von Messina.
Klima
Sizilien hat ein mediterranes Klima, mit warmem Frühling und Herbst, heißem Sommer und mildem Winter. Es gibt regional starke Schwankungen. Von Juni bis September regnet es sehr selten. Der November ist der regenreichste Monat. Die Temperaturen sind milder als im Landesinneren. Im Januar beträgt die mittelere Temperatur 11 °C, im Juli sind es 27 °C. Im Sommer kann es durch Winde (Scirocco) aus dem Süden zu Temperaturen bis zu 40 °C kommen. Trotz der Wärme gibt es auf Sizilien Wintersportgebiete zum Beispiel am Ätna.
Bevölkerung
Die Bevölkerungsmehrheit Siziliens spricht die sizilianische Variante des Italienischen, welche oft auch als eigene Sprache angesehen wird. Die Mehrheit der Bevölkerung gehört der römisch-katholischen Kirche an. Etwa zwei Millionen Sizilianer leben im Ausland.
Daneben gibt es einige Orte mit albanisch-stämmiger Bevölkerung, die sich Arbëresh nennt.
Wirtschaft, Verkehr
Landwirtschaft (Weizen, Mais, Oliven, Wein, Südfrüchte), industrielle Produkte, Autoindustrie, Tourismus.
Haupterwerbsquelle der Sizilianer ist die Landwirtschaft. Im hügeligen, wasserarmen Landesinneren wird diese extensiv in Form von Weidewirtschaft, Weizen- und Bohnenanbau betrieben.
An der Küste können durch die dort besser gewährleistete Bewässerung Zitrusfrüchte, Weinreben, Mandeln, Oliven und sogar Baumwolle angebaut werden, so dass die Herstellung von Wein und Olivenöl ein weiterer wichtiger Wirtschaftszweig Siziliens ist.
Die von Sizilien aus betriebene Küsten- und Hochseefischerei, die es besonders auf Thunfisch und Sardellen abgesehen hat, macht ein Viertel der gesamten italienischen Fischerei aus.
Daneben sind auch die Förderung von Stein- und Kalisalzen sowie von Marmor in Sizilien verbreitet. Der einst wichtige Schwefelbergbau (zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Insel so gut wie Weltmonopolist) ist in den 1980er Jahren vollständig zum Stillstand gekommen.
Neben diesen Zweigen des primären Wirtschaftssektors gibt es aber auch petrochemische Industrien im Osten der Inseln, in der Nähe von Catania, Syrakus, Ragusa und Gela.
Sizilien ist derzeit mit dem Festland über Fähren verbunden. Nach jahrzehntelanger Diskussion soll Il Ponte sullo stretto (die Brücke über die Meerenge) mit 3300 m Länge die bis dahin längste Hängebrücke der Welt werden. Ausgelegt ist sie für 140.000 Fahrzeuge auf sechs Fahrstreifen und 200 Züge auf zwei Gleisen pro Tag. Das Projekt ist wegen Erdbebengefahr, Einflussnahme der Mafia und Einwirkungen auf die Umwelt umstritten.
Strukturprobleme
Hohe Arbeitslosigkeit, Korruption, mangelnde Verkehrsinfrastrukur, Umweltschäden, Wasserknappheit, international tätiges Verbrechertum (Mafia, Cosa Nostra).
Geschichte
Cosa Nostra
Cosa Nostra
GRIECHEN UND KARTHAGER AUF SIZILIEN
Ab 735 v. Chr.: Die Ureinwohner hießen Sikaner und Sikuler und wanderten über die südliche Spitze Italiens nach Sizilien ein. Sie wurden durch Phöniker, Karthager und Griechen verdrängt. Letztere gründeten dort 735 v. Chr die erste Siedlung, Naxos. Weitere bedeutende, griechische Zentren waren Akragas, das heutige Agrigento, und Gela. Im Tal der Tempel in der Nähe von Agrigento sind zahlreiche griechische Bauwerke aus der Antike erhalten geblieben.
536 v. Chr. betraten die Karthager zum ersten mal die Insel. Karthago ist eine 814 v. Chr. von den Phöniziern gegründete Stadt, die im heutigen Tunesien lag. Die Karthager erbauten im Westen Siziliens die Städte Panormus (welches das heutige Palermo ist) Solois und Motya. Zwischen den Karthagern und den Griechen kam es zu zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen, um die Vorherrschaft auf der Insel.
SIZILIEN ALS RÖMISCHE PROVINZ
Ab 241 v. Chr.: Sizilien wird während des 1. Punischen Krieges zur römischen Provinz. Der Erste Punische Krieg war der erste der drei großen Kriege zwischen Karthago und dem Römischen Reich. Nur das griechische Territorium im Osten der Insel wird nicht von Rom eingenommen, dieses wird erst 212 v. Chr. nach dem 1. Makedonischen Krieg zwischen Rom und Makedonien mit der Einnahme des griechisch beherrschten Syrakus römisch. Sizilien ist die erste römische Provinz und wir zum Haupt-Kornlieferanten des römischen Reiches.
Die beiden Sklavenkriege (136-132 v. Chr. und 104-101 v. Chr.) gehören zu den wichtigsten Geschichtsereignissen in Sizilien während, der Herrschaft der Römer. Um sich von der Knechtschaft zu befreien erhoben sich die Sklaven gegen Ihre Herren und in beiden Kriegen erlangten Sie die Kontrolle über die Insel. Schließlich gewann jedoch Rom das Territorium zurück und nach dem ersten Sklavenaufstand wurden 2000 Sklaven gekreuzigt
VANDALEN UND GOTEN AUF SIZILIEN
Ab 440: In der Zeit der Völkerwanderung, ziehen germanische Völker durch ganz Europa. Eines dieser Volker sind die Vandalen, welche unter König Geiserich von Südspanien aus nach Nordafrika vordringen und die dortigen römischen Provinzen erobern. Auch Sizilien wird eingenommen. Später wurde die Insel an den Führer der Ostgoten, Theoderich, übergeben.
DIE EROBERUNG SIZILIENS DURCH BYZANZ
Ab 535: Eroberung der Insel durch Byzanz. Das Byzantinische Reich ist der östliche Teil des römischen Reiches, auch Ostrom genannt. Dieser verblieb nach dem durch die Völkerwanderung ausgelösten Falls des westlichen Teils, weiterhin erhalten. Unter der byzantischen Herrschaft wurde Sizilien zu einem zentralen Handelsplatz, auf dem besonders die Küstenstädte florierten.
ARABISCHE VORHERRSCHAFT AUF SIZILIEN
Ab 827: Schon in der Mitte des 8. Jh. leidet Sizilien wiederholt unter Plünderungen der Araber. Eine militärische Schwächeperiode von Byzanz in den Jahren von 821-823 begünstigt dann eine allgemeine arabische Eroberungswelle, welche auch Sizilien erfasst. Nach der dortigen Landung 827 fällt der westliche Teil rasch in arabische Hände. Den Byzantinern verblieb im äußersten Nordosten Siziliens das Festungsdreieck Taormina-Rometta-Demanna. Alle Versuche Sizilien zurückzuerobern scheiterten. Nach und nach fielen auch die letzten byzantischen Festungen in die Hände der Araber.
Als autonome provinz wurde das arabische Sizilien von Palermo aus regiert und erlebt eine Zeit hoher kultureller Blüte. Vom arabischen Spanien bis Ägypten kommen die Händler, um auf Sizilien ihre Waren zu verkaufen, die Rolle des zentralen Umschlagplatzes ist für die Insel sehr profitabel. Die muslimische Herrschaft dauert an bis zur normannischen Eroberung im späten 11. Jahrhundert. Im Jahre 1091 fällt mit der Stadt Noto der letzte muslimische Stützpunkt auf Sizilien.
DIE NORMANNEN UND DAS KÖNIGREICH SIZILIEN
Ab 1091: Die Normannen waren Germanen, deren Vorfahren über Dänemark nach Schweden und Norwegen kamen. Das Wort Normanne kann übersetzt werden mit Männer des Nordens. Um das Jahr 1000 kamen normannische Pilger auf der Heimreise von Jerusalem in die Normandie durch Süditalien. Dort halfen Sie der Bevölkerung sich gegen die Sarazenen zu wehren und erhielten das Angebot sich dort niederzulassen. Später erhielten Sie als Belohnung für Ihre Dienste eine Grafschaft und immer mehr Normannen kamen nach Süditalien. Sie eroberten Sizilien, welches unter muslimischer Herrschaft stand und vereinigen es unter Roger II mit Unteritalien zu dem Königreich beider Sizilien (Sizilien und das Königreich Neapel). Es folgt eine Reihe normannischer Könige, die mit König Willhelm dem II endet. Er war der letzte der normannischen Könige auf Sizilien und er verstarb ohne leiblichen Erben. Damit endete die normannische Dynastie und es begann die Dynastie der Staufer.
Staufer
DIE DYNASTIE DER STAUFER
Ab 1194: Da Willhelm der II keinen leiblichen Erben besaß, hatte vor seinem Tod Vorkehrungen zur Sicherung der Nachfolge getroffen. Er hatte Konstanze, Tochter König Rogers II. mit Heinrich dem VI., dem Sohn und Erben Friedrich Barbarsossas aus dem Geschlecht der Staufer verheiratet.
Die Familie der Staufer war ein mächtiges Kaisergeschlecht, dass aus Schwaben stammte und im 12/13. Jh. in Europa herrschte. Barbarossa war Römischer Kaiser, König der Deutschen und König von Italien, sowie König von Burgund, Herzog von Schwaben und Herzog von Franken.
Diese Regelung der sizilianischen Thronfolge erregte das Missfallen des Papstes, welcher den Kaiser aus Süditalien fernhalten wollte, um selbst Ansprüche geltend zu machen. Und auch ein Teil des sizilianischen Adels bekämpfte diese Vorgehensweise. Es kam zu einem Krieg um Sizilien, der von Kaiser Heinrich dem VI gewonnen wurde. Nach dem Tod Heinrichs VI und Konstanzes, seiner Frau, war ihr gemeinsamer Sohn Friedrich II noch minderjährig und Papst Innozenz III. übernahm die Regentschaft Siziliens, worauf es zu einer Zeit der Anarchie kam. Diese endete nachdem Friedrich II die Herrschaft übernahm und unter seiner Regierung spielte Sizilien eine wichtige Rolle in der Politik der 1. Hälfte es 13 Jh. Friedrich II stirbt im Jahre 1250 und hinterläßt seinem Sohn Konrad das Königreich.
Die Herrschaft der Staufer auf Sizilien fand ihr Ende als der Papst mit dem Grafen der Provence, Karl von Anjou ein Abkommen schließt. In dem darauf folgenden Krieg im Jahre 1266 nimmt Graf Anjou das Königreich Sizilien in Besitz.
DIE HERRSCHAFT VON ANJOU UND ARAGON
Ab 1266: Mit Unterstützung des Papstes übernimmt Karl I., Graf von Anjou und Bruder des französischen Königs Ludwig IX., die Kontrolle über das Königreich beider Sizilien.
Ab 1282: Im Jahre 1282 kommt es zur Revolte: Die Bürger Palermos erheben sich gegen die Unterdrückerherrschaft. Der Aufstand geht unter dem Namen Sizilianische Vesper in die Geschichte ein. Durch diese Revolte wird das Dynastengeschlecht Anjou aus Sizilien vertrieben, ihm verbleibt jedoch das Königreich Neapel.
Peter III, König von Aragon, der durch eine Heirat mit dem Hause Hohenstaufen verwandt war und an dessen Hof der sizilianische Adel, nach der Machtübernahme durch den Graf von Anjou, Zuflucht gesucht hatte, wird zum König von Sizilien gekrönt. Die begonnene Herrschaft Aragons setzt sich, nach einigen Auseinandersetzungen mit Anjou, auf Dauer durch.
Im Jahre 1504 ernennt sich der König von Sizilien auch zum König von Neapel, Spanien übt darauf für Jahrhunderte die Oberherrschaft über Sizilien aus. Es kommt in den Jahre 1647 und 1674 zu Antispanischen Erhebungen. (1647 in Palermo und 1674 in Messina).
1713 wird Sizilien wieder von Neapel getrennt und gerät aufgrund des Spanischen Erbfolgekrieges an Savoyen, welches nach nur sieben Jahren das Gebiet im Tausch gegen Sardinien an Österreich abtritt. 1735 geht nach einem Eroberungsfeldzug Sizilien erneut an Spanien zurück. Die Existenz des Königreichs Sizilien endet als der italienische Freischarenführer Giuseppe Garibaldi mit dem Zug Der Tausend (Spedizione dei Mille) auf Sizilien landet und es erobert. Sizilien wird darauf Bestandteil des neu errichteten Königreiches Italien.
VEREINIGUNG MIT ITALIEN
Ab 1861: Nach der Einnahme Siziliens durch den italienischen Freischarenführer Garibaldi wurde das Königreich Sizilien mit dem neuen Königreich Italien vereinigt. Allerdings hatte die Regierung im Norden nur wenig Verständnis für den Süden. Durch den Versuch die Macht im Norden zu zentralisieren und aufgrund hoher Steuerlasten für den Süden, kam es immer wieder zu Spannungen, welche 1866 zu einem Aufstand in Palermo führten. Der aufstand wurde niedergeschlagen. Die Beziehungen zwischen Nord und Süd waren von tiefem Misstrauen geprägt. 1915 tritt Italien in den Ersten Weltkrieg ein, wo es im sogenannten Dreibund an der Seite von Deutschland und Österreich-Ungarn steht.
ITALIEN UNTER MUSSOLINI
Ab 1922: Mussolini übernimmt die Macht in Italien und führt ein faschistisches Regime an. Im Zweiten Weltkrieg kämpft Italien zusammen mit dem nationalsozialistischen Deutschland gegen die Alliierten. Durch die Einnahme Siziliens in nur 38 Tagen durch die Amerikaner, kommt es zum Sturz Mussolinis und der Kapitulation der italienischen Regierung.
NACH DEM ZWEITEN WELTKRIEG
Ab 1946: Sizilien wird zu einer autonomen Region Italiens mit umfassenden Selbstverwaltungsrechten. Da die Arbeitsplätze knapp sind, findet eine starke Abwanderung nach Norditalien statt.
1982: Die Ermordung des Präfekten von Palermo, C.A. Dalla Chiesa, offenbart die Schwäche der Regierung gegenüber der Mafia, welche die ganze Insel mit Terror gegen die Staatsgewalt überzieht.
1986: Mammutprozess gegen das Verbrechersyndikat Cosa Nostra in Palermo.
1992 und folgende Jahre: Die Mafia setzt ihre Attentate auf Politiker, Richter und andere Träger der Staatsgewalt fort.
Musik
Musik ist ein wichtiger Bestandteil der sizilianischen Kultur, das Volk liebt und lebt fröhlichen Klänge die einem das Leben leichter machen. Viele Hausfrauen oder Feldarbeiter singen während der Arbeit um sich von den mühseligen Aufgaben des Lebens abzulenken. Die Tarantella ist eine der wichtigsten traditionellen Tänze auf Sizilien und die dazugehörige Musik kann in vielen verschiedenen Varianten gespielt werden. Es gibt Versionen im 3/8 und 6/8 Takt die feurig sowie gediegener gespielt werden können. Die Tarantella gehört zur Folklore bzw. Volksmusik und wird auf traditionellen Festen gerne gespielt und getanzt.
Sizilianische Mafia
- Cosa Nostra
- Stidda
Literatur
- M.I. Finley, D. Mack Smith, Ch. Duggan: Geschichte Siziliens und der Sizilianer, Verlag C.H. Beck, München 1998. Gutes Überblickswerk von der Antike bis in die Moderne. Dort auch Angaben zu weiterführender Literatur.
- Ralf Nestmeyer: "Sizilien. Ein literarisches Landschaftsbild." Insel Verlag, Frankfurt am Main 2000. ISBN 3-458-34337-7
Berühmte Sizilianer
- Empedokles (ca. 490 v. Chr. - ca. 430 v. Chr.),
- Gorgias (ca. 480 v. Chr. - 380 v. Chr.),
- Diodorus Siculus (1. Jahrhundert v. Chr.),
- Archimedes (ca. 287 v. Chr. - 212 v. Chr.),
- Friedrich II. (1194 - 1250),
- Alessandro Scarlatti (1660 - 1725),
- Giovanni Meli (1740 - 1815),
- Vincenzo Bellini (1801 - 1835),
- Francesco Crispi (1819 - 1901),
- Giovanni Verga (1840 - 1922),
- Luigi Pirandello (1867 - 1936),
- Nino Martoglio (1870 - 1921-),
- Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896 - 1957),
- Lucky Luciano (1896 - 1962),
- Salvatore Pappalardo (1918 -),
- Leonardo Sciascia (1921 - 1989),
- Salvatore Giuliano (1922- 1950),
- Andrea Camilleri (1925 -),
- Salvatore Riina (1930 -),
- Salvatore Maranzano (1931 -),
- Joe Masseria (1931 -),
- Bernardo Provenzano (1933 -),
- Giovanni Falcone (1939 - 1992),
- Paolo Borsellino (1940 - 1992),
- Sammy Gravano (1945 -),
- Leoluca Orlando (1947 -),
- Giuseppe Impastato (1948 - 1978),
- Giuseppe Tornatore (1956 -),
- Salvatore Schillaci (1964 -),
- Maria Grazia Cucinotta (1969 -),
- Carmen Consoli (1974 -)
Film
In manchen Filmen wie etwa Der Pate (1969), Der Pate 2 (1974) sowie Der Pate 3 (1990), war Sizilien ein vielgedrehter, markanter Drehort.
- Stromboli (Film), 1949
- Der Leopard (Film), 1963
- Der Sizilianer (Film), 1987
- Cinema Paradiso, 1989, Oscar für den besten fremdsprachigen Film
- Die Legende vom Ozeanpianisten, 1998
- Der Zauber von Malèna, 2000
- I cento passi, 2000
Siehe auch
- Liste der Herrscher von Sizilien
Weblinks
- [http://www.italien-inseln.de/ Alle 390 Gemeinden Siziliens]
- [http://www.sicilian.net/lexikon/ Sizilianisches Lexikon]
- [http://susi.e-technik.uni-ulm.de:8080/Meyers2/seite/bild/werk/meyers/band/14/seite/1002a/meyers_b14_s1002a.html Karte Siziliens von 1889] in Meyers Konversationslexikon
- [http://gutenberg.spiegel.de/goethe/italien/ital181.htm Auszüge aus Goethes "Italienischer Reise“ zu einem Besuch auf Sizilien]
- [http://www.kunstundreisen.de/reisen/sizilien/allgemein/body_allgemein_01.html Informationen, Eindrücke, Fotos und Links über Städte, Kunst, Kultur auf Sizilien.]
Kategorie:Insel (Italien)
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Kategorie:Mittelmeer
ja:シチリア島
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Apulien
Apulien (Puglia) ist eine in Südost-Italien gelegene Region mit einer Fläche von ca. 19.000 km² und etwa 4 Mio. Einwohnern. Die Halbinsel Salento im Süden Apuliens bildet den sogenannten "Absatz" des italienischen "Stiefels". Hauptstadt ist Bari.
In den fruchtbaren Küstenebenen gedeihen Mandeln, Oliven, Getreide und Wein. Bekannte Weinbau-Regionen sind die Gebiete um das Castel del Monte, Canosa, Locorotondo und Foggia.
Apulien ist ein wichtiges Weinbaugebiet. Aus ihm kommen vorwiegend gehaltvolle Rotweine. Wichtige Rebsorten sind Primitivo, Negroamaro und Sangiovese. Auf einer Anbaufläche von 107.571 Hektar wird eine Gesamtproduktion von 7.580.000 Hektolitern (DOC-Produktion: 259.900 hl) erzeugt. Siehe hierzu auch den Artikel Weinbau in Italien.
Das Klima bietet milde Winter und heiße Sommer.
Vorgeschichte
In apulischen Grotten und Höhlen, besonders des Gargano und Salento, fanden sich die Relikte der steinzeitlichen Bewohner. Der Meeeresspiegelanstieg (um etwa 100 m) versiegelte die ufernahen Höhlen und ihre Ritzungen. In der Grotte von Altamura fand man den 200.000 Jahre alten Mann von Altamura. Die Megalithanlagen des Bari-Taranto und Otranto Typs belegen besonders in der Region Lecce ein ausgeprägtes Neolithikum. Tholosartige Bauweisen überlebten die Vorzeit. Um Alberobello herum finden sich viele traditionelle Trulli - runde Gebäude mit spitzen Dächern.
Apulien wurde bereits weit vor 1000 v. Chr. von Griechen besiedelt. Ab dem 3. Jahrhundert v. Chr. erfolgte die Eroberung durch die Römer. Im Altertum wurde der südliche Teil des heutigen Apulien als Calabria bezeichnet (nicht zu verwechseln mit dem jetzigen Kalabrien, dem antiken Bruttium).
Geschichte
Während der Regierungszeit des Staufers Friedrich II. erlebte Apulien eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit. Von ihm wurde u.a. das bekannte achteckige Castel del Monte erbaut.
Wichtige Städte: Alberobello – Barletta –Bari – Brindisi – Foggia – Lecce – Molfetta - Taranto
Aufstieg der Normannen 1000 bis 1050
Die Entzweiung zwischen Waimar von Salerno und seinem Onkel (?) Pandulf von Capua dürfte um 1035 zu datieren sein. Ein Angriff Pandulfs auf Benevent misslang 1036. Nach diesem Angriff scharte Waimar nicht nur die mit Pandulf Unzufriedenen um sich, sondern rekrutierte auch ein Söldnerheer, in dem sich unter anderem die beiden Hauteville-Brüder Wilhelm (später »Eisenarm« genannt) und Drogo befanden.
Pandulfs dann beginnende Angriffe auf die reichsunmittelbare Benediktinerabtei Montecassino führten zum Eingreifen Konrads II. in Italien im Jahre 1038. Im Angesicht der kaiserlichen Truppen lenkte Pandulf zunächst ein, indem er sich zur Zahlung einer Bußsumme bereiterklärte und seine Kinder (u.a. des späteren Pandulf VI.) als Geiseln anbot. Dann verweigerte er jedoch eine vollständige Zahlung der Buße, und auch sein Sohn, so scheint es, war wohl mittlerweile wieder geflohen, so dass Konrad doch zu militärischen Mitteln griff: Im Mai trieb er den Fürsten auf dessen Burg St. Agathe oberhalb von Capua (bei Capua vetere) zurück, setzte ihn fest, enthob ihn aller Ämter und sprach die Verbannung aus.
Dann ging das Fürstentum an Wilhelm von Salerno, der auch noch mit dem Herzogtum Gaeta belehnt wurde und dazu die Grafschaft Aversa, auf die auch Neapel Ansprüche angemeldet hatte, zu Salerno geschlagen bekam. Bischof Hildebrand von Capua, ein Sohn Pandulfs, musste seinen Stuhl räumen. Für das Kloster Montecassino wurde der pandulfische Verwalter Todius seines Amtes entsetzt, ebenso wie der Byzanz verbundene Abt Basilius. Da nun die Mönche in ihren Reihen keinen geeigneten Nachfolger sahen, wurde Konrad um eine Empfehlung gebeten. Kaiserin Gisela schlug (den Altaicher) Richter, bis dahin Abt des Klosters Leno, vor, der dann auch gewählt wurde.
Die Ordnung des Kaisers blieb auch nach dessen Abgang bestehen. Paschalis ging nach kleineren Versuchen, wieder Fuß zu fassen, schließlich nach Konstantinopel. Aversa wurde nun zunmehmend eine Art Sammelstätte für normannische Immigranten. Auch die Zusammenarbeit mit den Byzantinern, denen sich die Normannen bislang als Söldner verdingt hatten, war nach dem Sizilienfeldzug, auf dem sich erstmals Wilhelm auszeichnete und vor Syrakus den Beinamen Eisenarm verliehen bekam, beendet. Die Entzweiung begann wahrscheinlich mit einem Pferd: Als der Normannenführer Arduin dies Pferd erbeutet hatte und Anstalten machte, es auch nach der Sitte seines Volkes zu behalten, nahm es ihm der griechische Führer Maniacus nicht nur wieder ab, sondern ließ den Normannen nach der Sitte seines Volkes auch noch durchprügeln - womit die Zusammenarbeit beendet war. Der Feldzug selbst blieb ebenfalls ohne größeren Erfolg, lediglich Messina scheint 1038 in griechischen Besitz gekommen zu sein.
Waimar hatte sich bis September 1038 dann sein Lehen Capua erobert, bis April 1039 auch Amalfi. In der Stadt war vorher schon der Bundesgenosse der Griechen, Manso IV. vertrieben worden und der vorher von diesem amtsenthobene Johann II. zurückgekehrt, der nun aber Waimar den Platz räumte und nach Konstantinopel floh. Bis Juli 1039 war Sorrent dann mit Hilfe der aversanischen Normannen unter Rainulf erobert und Guido von Gonza zum Grafen von Sorrent erhoben worden. Als letzte Stadt wurde dann wohl Gaeta Waimars Lehen eingegliedert.
Die Griechen scheinen bis dahin vollkommen ausgelastet gewesen zu sein, Sizilien zurückzuerobern, und leisteten in Unteritalien keinen nennenswerten Widerstand. Dann aber gelang des Michael Doceanus, in Unteritalien wieder Fuß zu fassen und Ascoli zurückzuerobern. Weitere Versuche, die sich etablierende Herrschaft der Normannen zu brechen, wurden aber von Rainulf niedergeschlagen. Rainulf wiederum hatte sich nun mit Arduin, mittlerweile Stadtkommandant von Melfi, verbündet, um weitere Städte Apuliens zu erobern. Erst nun gerieten Griechen und Normannen hart aneinander. Doceanus zog offen gegen die Normannen zu Felde. Trotz beträchtl | | |